Anlässlich des 200. Jubiläums bringt der Galaxis-Verlag innerhalb seiner berühmten Edition „Drei Grad“ eine klimasensibel überarbeitete Version von Grimms „Kinder- und Hausmärchen“ heraus. Die Ausgabe erscheint am 23.09.2057.
Dazu Verlagsleiterin Greta Poll:
„Wer kennt noch den Ruf des Kuckucks aus dem Wald? Wie kann das Märchen vom Froschkönig noch seinen Reiz entfalten, wenn man nicht weiß, was ein ‚Frosch‘ ist, geschweige denn, wie er sich anfühlt? Genauso sind auch Birken, Eichen, Birn- und Apfelbäume – längst keine Selbstverständlichkeit mehr.“
Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Klimawissenschaftler*innen, Biologen und Kinderbuchautor*innen wurden alle 200 Märchen der Kinder- und Hausmärchen behutsam an die veränderte Gegenwart angepasst — und so der Zauber dieser Klassiker für eine neue Zeit bewahrt:
Der Froschkönig ist nun ein Gecko. Schneewittchens Haut ist so weiß wie Sonnencreme. Wo einst Birken rauschten, stehen heute Palmen. Jede veränderte Stelle ist mit einer wissenschaftlichen Fußnote versehen, die erklärt, warum das Original aus der Lebenswirklichkeit verschwunden ist.
„Grimm’s klimasensible Haus- und Kindermärchen“ erscheinen am 23. September 2057 im Galaxis Verlag, Edition Drei Grad. Gebundene Ausgabe, 744 Seiten, mit Illustrationen von Mia Söderström. ISBN 978-3-98765-200-9. Empfohlener Verkaufspreis: 38,00 €.
Über eine Million Tier- und Pflanzenarten sind weltweit vom Aussterben bedroht, darunter 35,9 % aller Amphibienarten. Der Europäische Laubfrosch leidet bereits heute unter der Austrocknung von Feuchtgebieten und Kleingewässern. In einem Drei-Grad-Szenario gelten viele Amphibienarten in Mitteleuropa als regional ausgestorben.
Das betrifft nicht nur Frösche: Der Kuckuck, der fast nur noch in Liedern aus dem Wald ruft, findet nach seiner Rückkehr aus dem Süden keine Nester mehr vor, weil seine Wirtsvogelarten durch die Erwärmung immer früher brüten. Der Storch, Frühlingsbote in „Alle Vögel sind schon da“, verlässt zunehmend seine Zugwege, weil Feuchtwiesen als Nahrungsquellen versiegen. Eichen und Birken sterben großflächig durch Trockenstress: Der „Deutsche Wald“ wird so vollends zum Gerücht.
Aber wenn Arten verschwinden, verlieren die kulturellen Erzeugnisse, die auf ihnen basieren, ihren Sinn. Kinder, die nie Schnee gesehen haben, verstehen das Schönheitsideal in „Schneewittchen“ nicht mehr. Wer nie einen Frosch berührt hat, kann die Herausforderung einen Frosch zu küssen, nicht nachvollziehen. Was bleibt, ist eine leeres Geschichte — ein totes Wort.
Der Gecko (und verwandte Arten) breitet sich im Zuge der Erwärmung von Südeuropa nach Norden aus und ist fester Bestandteil von Klimaszenarien für 2050+ der mitteleuropäischen Fauna — ein Tier, das die Leerstelle füllt, die der Frosch hinterlässt.
Liste der Union for Conservation of Nature’s Red List of Threatened Species mit vielen Fotos und Hintergrundinformationen.
Wie sich die Klimakatastrophe auf Zugvögel auswirkt, erfährst du auf der Seite des NABU.
Warum sich Tiere und Menschen eben nicht unebdingt an die aktuelle Katastrophe anpassen können, steht auf der Seite des Helmholtz-Institus.
Guter Start-Artikel zu Klimawandel und Artenvielfalt
Manche Arten profitieren von der Klimakatastrophe. Die Meisten nicht – weiß der NABU.